Warum Lösungsorientiertes Coaching völliger Quatsch ist!

Dezember 2, 2017 8:44 pm

Lösungsorientiertes Arbeiten ist total im Trend.
Niemand will Probleme, alle wollen Lösungen.
Denn wenn wir Lösungen haben, können wir damit unsere Probleme „wegmachen“.
Soweit in der Theorie ganz gut.

In der Praxis sieht das dann oft ganz anders aus:
Wir haben zwar in stundenlangen Diskussen, Gedankenspiralen oder gar in einem Coaching viele Lösungen gefunden – unser Problem ist aber immer noch nicht wirklich verschwunden.

„Die Lösung ist das Problem“, sage zu diesem Phänomen Paul Watzlawick, genialer Kommunikationswissenschaftler, Psychotherapeut, Soziologe, Philosoph und Autor des bekannten Buches Anleitung zum Unglücklich sein. Denn, so Watzlawick, „unsere Lösungsversuche sind oft gekennzeichnet von uralten Überzeugungen.“ Eine dieser Überzeugungen heißt zum Beispiel: Viel hilft viel. Habe ich Lösungsideen gefunden, doch sie bringen keinen durchschlagenden Erfolg, dann muss ich von diesen Lösungsideen eben noch viel mehr machen. Quatsch!

Beispiel: Eine Klientin kommt in die Beratung weil sie darunter leidet, dass ihr Partner kaum mehr etwas mit ihr unternimmt. Ihr Lösungsversuch bestand zunächst darin, ihrem Ehemann ab und zu Vorschläge für gemeinsame Unternehmungen (Kino, Theater, Ausstellungen u.ä.) zu unterbreiten. Dies war nicht erfolgreich. Daraufhin vergrößerte und verfeinerte sie ihr Repertoire an Wochenend-Vorschlägen. Die Klientin durchforstete regelmäßig die Zeitungen nach Ideen und bezog verstärkt die vermeintlichen Interessen ihres Mannes ein, denn bisher habe sie wohl nicht den Geschmack ihres Mannes getroffen. Deshalb unterbreitete sie für von Wochenende zu Wochenende immer mehr Programmvorschläge, von denen sie annahmen, sie könnten ihrem Mann gefallen. Das animierte ihren Partner jedoch nicht zu mehr Aktivität. Ganz im Gegenteil. Mit ihrem Aktionismus grenzte sie den Reaktionsspielraum für ihren Partner immer weiter ein. Durch diese vermeintlichen „Lösungen“ sicherte die Klientin von Woche zu Woche den Fortbestand ihres Problems (Partner lässt sich nicht zu gemeinsamen Aktivitäten animieren).

Probleme brauchen strategische, manchmal abstrakte und vor allem höchst individuelle Lösungsideen. Am besten greifen Interventionen, die eben nicht auf unseren uralten Überzeugungen basieren.

Im o.g. Fall hieß das, die alte Überzeugung „Viel hilft viel“ aufzugeben und genau das Gegenteil zu nun, nämlich alle Animationsversuche zu unterlassen. Stattdessen ging die Klientin konsequent an jedem Wochenende freitags, samstags und sonntags ohne ihren Mann aus. Ohne ihn zu fragen, ob er nicht doch mitkommen möchte. Nach einigen Wochenenden erklärte der Ehemann, es sei langweilig, alleine zuhause zu sitzen, ob er sie denn bei einigen ihrer Aktivitäten begleiten könne.

Nein, Lösungsorientiertes Coaching ist nicht völliger Quatsch. Aber Lösungsorientiertes Coaching, das alte Überzeugungen unterstützt ist völliger Quatsch!

Die beiden wichtigsten Grundsätze für LFKZ –  Lösungsfokussierte Kurzzeittherapie und Lösungsfokussiertes Coaching lauten:

1) Wenn etwas nicht funktioniert, höre auf damit  – mache etwas ganz anderes!
2) Wenn etwas funktioniert – mache mehr davon!

Hier war es entscheidend, dass die Klientin den Grundsatz Nr. 1) beherzigte – auch wenn ihr das zunächst etwas absurd und schwierig vorkam.

Was sind deine uralten Grundüberzeugungen bei deinen ganz persönlichen Lösungsversuchen?
Was funktioniert nicht, um dein Problem zu lösen?
Was kannst du weglassen?
Was kannst du stattdessen tun?

Veränderung braucht Orientierung. Was möchtest du verändern?

 

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