Messie-Welten

Februar 17, 2018 9:36 am

 

Messie-Welten – Ich bin noch mittendrin! Nicht in meiner persönlichen Messie-Welt, denn das ist schlicht nicht mein Thema. Ich bin mitten im Buch Messie-Welten von Veronika Schröter. Die Leseprobe fand ich so faszinierend, dass ich mir das Buch umgehend gekauft habe. Ich mag die wertschätzende Art, mit der die Autorin über Betroffene schreibt. Sachlich klar, mit einem tiefen Fachwissen, spannend und verständlich erklärt.

 

Veronika Schröter unterscheidet sehr fein drei Ausprägungen dessen, was allgemein unter Messie-Syndrom verstanden wird:

»Ich kann die Dinge nicht loslassen, weil ich glaube, dass ich sie irgendwann noch gebrauchen kann«, das ist die Aussage, die die Wahrnehmung eines Menschen mit Wertbeimessungsstörung wohl am besten beschreibt. Was ist die Basis für dieses Verhalten, das das Sammeln und Horten in den Mittelpunkt stellt, obwohl die Lebensqualität existenziell darunter leidet? 

In dieser Ausprägung kann der Klient nicht mehr unterscheiden, was wichtig ist und was nicht. Kein Papierfitzelchen darf die Wohnung verlassen. Es könnte wichtig sein. Es wegzugeben würde einen unwiederbringlichen Verlust darstellen.

 

Während Menschen mit Wertbeimessungsstörung das gehortete Material sauber und geordnet aufbewahren, entsteht in den Wohnungen von Menschen, die unter dem Vermüllungssyndrom leiden, eine kontinuierliche Anhäufung von tatsächlichem Müll (Nassmüll). Es kann eine intensive Sammeltätigkeit vorliegen, teils mit aufwendiger Systematik, manchmal wird der Müllberg nur deshalb höher, weil Verdorbenes und Verschmutztes nicht entsorgt wird. 

Eine Wertbeimessungsstörung kann in einem Vermüllungssyndrom münden, muss aber nicht. Die Selbst- und Fremdgefährdung (Kinder!) durch unhygienische Verhältnisse und möglichen Schädlingsbefall sind bei dem Vermüllungssyndrom sehr hoch. Für Betroffene ist es schwieriger bzw. unmöglich, den Schein nach außen zu wahren.

 

Das Verwahrlosungssyndrom ist eine Folge der Selbstaufgabe, dazu gehören auch die Herabsetzung der Schamgrenze sowie die Vernachlässigung der Körperpflege. In betroffenen Wohnungen findet man – ähnlich wie bei der Vermüllung – eine starke Verschmutzung und feuchte, unhygienische Wohnverhältnisse vor, die keinesfalls tolerierbar sind. Bei der Verwahrlosung fällt jedoch vor allem die große Menge an nicht mehr funktionierenden Dingen ins Auge: kaputte Spielsachen, zerbrochenes Geschirr, defekte Geräte usw. Selbst eine Dusche, aus der kein Wasser mehr kommt, wird hingenommen. 

Hier liegen zumeist schwere psychische Erkrankungen vor, die zu einer Gleichgültigkeit in Bezug auf das eigene äußere Erscheinungsbild und die gesamte die Wohnsituation führen. Fehlerrnährung, Flüssigkeitsmangel und mangelnde Hygiene verschlimmern die bereits bestehenden Krankheiten.

 

Wie bei allen psychischen Krankheiten darf Hilfe von außen, muss Heilung jedoch von innen kommen.

Für alle, die mehr zu dieser Krankheit wissen möchten, ein absoluter Buch-Tipp! (Klett-Cotta Verlag 25 Euro)

 

PS
Was nicht Thema dieses Buches ist, ich in diesem Zusammenhang jedoch einmal ausdrücklich erwähnen möchte: Unordentliche Jugendliche sind nicht automatisch Messies (auch wenn es manchmal so aussieht). Teenager markieren ihr Territorium gerne mit Unordentlichkeit. Das hat die Funktion, sich abzugrenzen und diese Grenzen des eigenen Bereichs deutlich sichtbar zu zeigen. Da dürften einige Eltern erleichtert aufatmen! Der Messie-Teenager ist ein vorübergehendes pubertäres Syndrom, das in der Regel nach einigen Jahren von selbst ausheilt ;-)

 

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