Hinhören, zuhören, weghören

Februar 15, 2019 9:30 pm

 

 

Wir haben zwei Ohren und nur einen Mund, damit wir doppelt soviel zuhören wie sprechen.

 

Hach, immer diese schlauen Sprüche! Aber mal ganz ehrlich: Hast du dich selbst schon einmal beim Zuhören beobachtet?

 

Was geht dir beim Zuhören durch den Kopf?
Beurteilst du bereits während des Zuhörens, was der andere sagt?
Formulierst du noch beim Hören in Gedanken schon deine Antworten?

 

Stell dir einmal zwei unterschiedliche Situationen vor:

 

Ein verliebtes Paar sitzt sich gegenüber. Einer spricht und der andere lauscht hingebungsvoll. Der Erzählende hat Zeit und Raum, seine Worte zu wählen. Der Zuhörende saugt förmlich jedes Wort auf, unterbricht nicht, beurteilt nicht. Die beiden sehen sich unablässig in die Augen und lächeln dabei. 

 

Ein streitendes Paar sitzt sich gegenüber. Einer spricht, der andere fällt ihm immer wieder ins Wort. Der Erzählende hat keine Zeit, seine Gedanken zu Ende zubringen. Der Zuhörende legt die Stirn in Falten, antwortet gar nicht auf das Gesagte, sondern schmettert seine eigene Meinung in den Raum.

 

 

Jedem Konflikt liegt eine Bewertung zugrunde – oder besser gesagt, eine negative Bewertung.

 

Konflikte im Gespräch entstehen, wenn wir uns vorschnell eine Meinung bilden, ohne wirklich hinzuhören, was denn die Meinung des anderen ist. Wenn wir unsere Lösungsvorschläge als ultimativ in den Ring werfen, statt zu warten, welche Lösungen sich der andere vorstellen könnte. Wenn unsere Antworten Abwehrreaktionen sind, statt einladende Beiträge für einen stimmigen Konsens.

 

Einfühlsames Zuhören ist eine Übung, die dir selbst und dem anderen Raum gibt und Konflikte vermeidet.

 

Beim einfühlsames Zuhören, hört der Hörende zu. Ohne zu sprechen, ohne das Gehörte permanent innerlich mit seinen eigenen Maßstäben zu bewerten. Ohne, in der Antwort sein Besserwissen zur Schau zu stellen. Ein bisschen so, wie der verliebte Zuhörer aus dem Beispiel oben.

 

Beobachte dich in den nächsten Tag doch einmal beim Zuhören. Bist du mit deiner Aufmerksamkeit und mit deinen Gedanken ganz beim anderen oder bei dir selbst?

 

Ich bin davon überzeugt, dass wir alle einfühlsam zuhören können. Und wenn es im Stress und der Belastung des Alltags verlernt wurde, ist es wieder erlernbar. Ja, es braucht Übung, Zeit und Wollen. Vielleicht braucht es auch Anleitung von außen. Der Lohn des Ganzen? Gespräche mit weniger Streit, mehr Verständnis, mehr Nähe.

 

 


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