Ersehnte Dinge

Oktober 14, 2017 6:34 pm

1927 schreib Max Ehrmann ein Prosagedicht unter dem Titel Desiderata. Dieses wurde auch als Lebensregel von Baltimore bekannt und seither vielfältig übersetzt und zitiert.

Wörtlich übersetzt bedeutet der Titel „das Ersehnte“ oder „ersehnte Dinge“.

Für dich habe ich eine Textübersetzung gefunden, die sehr nahe am englischen Original ist. Die Sprache ist an einigen Stellen nicht sehr modern und vielleicht macht gerade das den Charme dieses Textes aus.

Meine Idee für dich: Suche dir einen Absatz aus dem Gedicht und stellt diesen als Motto über die kommende Woche. Was soll in den nächsten Tagen dein Augenmerk besonders haben? Was ist für dich „das Ersehnte“?

Du kannst den Text hier als pdf ausdrucken und ihn so in deine Umfeld platzieren, dass du immer wieder daran erinnert wirst. Wenn dir diese Idee gefällt, darfst du nach und nach gerne weitere Absätze daraus für dich in dein Alltag mitnehmen. Es sind 11 Absätze. Das Gedicht kann dich so also bis zum Jahresende begleiten.

Falls du den Text lieber im Original lesen oder ausdrucken magst, findest du diesen hier ebenfalls als pdf.

 

DESIDERATA

Gehe ruhig und gelassen durch Lärm und Hast und sei des Friedens eingedenk, den die Stille bergen kann.

Stehe, soweit ohne Selbstaufgabe möglich, in freundlicher Beziehung zu allen Menschen. Äußere deine Wahrheit ruhig und klar und höre anderen zu, auch den Geistlosen und Unwissenden; auch sie haben ihre Geschichte.

Meide laute und aggressive Menschen, sie sind eine Qual für den Geist. Wenn du dich mit anderen vergleichst, könntest du stolz werden oder dir nichtig vorkommen; denn immer wird es jemanden geben, größer oder geringer als du. Erfreue dich deiner eigenen Leistungen wie auch deiner Pläne.

Bleibe weiter an deinem eigenen Weg interessiert, wie bescheiden auch immer er sein mag. Er ist ein echter Besitz im wechselnden Glück der Zeiten. In deinen geschäftlichen Angelegenheiten lass Vorsicht walten; denn die Welt ist voller Betrug. Aber dies soll dich nicht blind machen gegen gleichermaßen vorhandene Rechtschaffenheit. Viele Menschen ringen um hohe Ideale; und überall ist das Leben voller Heldentum.

Sei du selbst. Vor allen Dingen heuchle keine Zuneigung und sei nicht zynisch, was die Liebe betrifft; denn auch im Angesicht aller Dürre und Enttäuschung ist sie doch immerwährend wie das Gras.

Ertrage freundlich-gelassen den Ratschluss der Jahre, gib die Dinge der Jugend mit Würde auf. Stärke die Kraft des Geistes, damit sie dich in plötzlich hereinbrechendem Unglück schütze. Aber beunruhige dich nicht mit Einbildungen. Viele Befürchtungen sind die Folge von Erschöpfung und Einsamkeit. Bei einem gesunden Maß an Selbstdisziplin, sei gut zu dir selbst.

Du bist ein Kind des Universums, nicht geringer als die Bäume und die Sterne; du hast ein Recht, hier zu sein. Und ob es dir nun bewusst ist oder nicht: Zweifellos entfaltet sich das Universum wie vorgesehen.

Darum lebe in Frieden mit Gott, welche Vorstellung du auch von ihm hast. Was auch immer dein Mühen und Sehnen ist, in der lärmenden Wirrnis des Lebens, erhalte dir den Frieden mit deiner Seele.

Trotz all ihrem Schein, der Plackerei und den zerbrochenen Träumen ist diese Welt doch wunderschön.

Sei achtsam.

Strebe danach, glücklich zu sein.

 

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